Diese Liebe zu einem Land, von dem ich damals glaubte es nie sehen zu können, orientierte sich wenig an der Realität – aber wann tut Liebe das schon. Ich las die Geschichten vergangener Zeiten, sah Bilder von schönen japanischen Häusern und Gärten und dachte, jede Japanerin sei eine kleine Madame Butterfly. Zur Erinnerung für die jüngere Generation: damals, in den 70er Jahren, gab es noch kein Internet und die Möglichkeiten zur Information waren etwas eingegrenzt. Dann las ich Berichte in deutschen Zeitschriften und sah Nachrichten von Umweltverschmutzung und Smog in Tokyo. War das mein Japan? Ich war schwer enttäuscht, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Aber zum Glück wurde ich eines Tages eines Besseren belehrt.
Fortsetzung folgt …

Warum ausgerechnet Japan? werde ich manchmal gefragt. Ich habe mich schon als junges Mädchen für Asien interessiert. Angefangen hat es mit dem Mädchenbuch „Kleine Schwester aus Korea“, später las ich die Bücher von Alice Eckert-Rotholz (z.B.Reis aus Silberschalen) und kam so auf Pearl S.Buck. Sie schrieb zwar hauptsächlich über China – schließlich hat sie den größten Teil ihres Lebens dort verbracht – aber einen kleinen Teil ihres Werkes widmete sie Japan. Ausgerechnet „Die springende Flut“ – die Geschichte eines Tsunami – hat mich total fasziniert. Wie kann ein Volk so leben? fragte ich mich. Meine Liebe zu Japan war geboren und hielt ein Leben lang.