Kulturschock

Ich muss es gleich sagen, ich bin ein Landei. Meine Heimatstadt hatte damals ca. 1200 Einwohner, Tokyo das 10tausend fache. Auf der Fahrt vom Flughafen Narita zu meiner neuen Heimstadt fragte mich mein Schwager, der das Auto fuhr: „Wie findest du Tokyo?“ Ich fand gar nichts, ich war gar nicht fähig, mir eine Meinung zu bilden. Straßen, Autos, Menschen, Häuser in einem Übermaß, wie ich es noch nie gesehen hatte. In diesem Moment war ich mir überhaupt nicht sicher ob ich je lernen würde, die japanische Realität so zu lieben wie meine romantische Vorstellung davon. Ehrlich gesagt, ich war ziemlich besorgt. Dann betrat ich mein neues Heim, eine Wohnung in einem 11stöckigen Haus. Und sagte genau was ich fühlte: „Ach wie niedlich, wie ein Puppenhaus“.

Später hörte ich von der Frau meines Schwagers, dass mein Mann ziemlich schockiert darüber war. Er hatte sich große Mühe gegeben, eine schöne Wohnung für uns zu finden und war sehr stolz darauf. Ich hatte es ja auch gar nicht abwertend gemeint, aber was für ihn eine „große“ Wohnung war, das war für mich eben kaum mehr als Spielhaus-Größe.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.